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86 ars medici 3 | 2025
Orthopädie
Gezüchtete Nasenknorpelzellen helfen bei Knieverletzungen
Ein unglücklicher Sturz beim Skifahren oder Fussball kann das Ende sportlicher Aktivitäten bedeuten – Gelenkknorpel heilt nicht von selbst, und Schäden erhöhen das Arthroserisiko. Ein Team aus Basel zeigt nun, dass selbst kompliziertere Knorpelverletzungen mit Ersatzknorpel aus patienteneigenen Nasenzellen repariert werden können.
Das Team um Prof. Dr. Ivan Martin, PD Dr. Marcus Mumme und Prof. Dr. Andrea Barbero arbeitet seit Jahren mit vielversprechenden Ergebnissen an dieser Methode. Sie entnehmen ein winziges Stück Nasenscheidewand, vermehren die Knorpelzellen im Labor auf einem Gerüst aus weichen Fasern, schneiden den Ersatzknorpel in die passende Form und implantieren ihn ins Knie (s. Abbildungen).
Beschädigte Gelenkknorpel am Knie lassen sich beim Menschen mit Zellen aus der Nase reparieren.
Forschende züchten Ersatzknorpel aus Zellen der Nasenscheidewand, um damit Knorpelverletzungen im Knie zu reparieren.
In einer klinischen Studie mit 98 Teilnehmern aus vier Ländern verglichen die Forscher nun zwei Ansätze: Eine Gruppe erhielt Knorpel, der nur zwei Tage im Labor vorgereift war – ein Standardverfahren. Die andere Gruppe bekam Knorpel, der zwei Wochen reifen durfte. Während dieser Zeit entwickelt das Gewebe knorpelähnliche Eigenschaften.
Über 24 Monate dokumentierten die Teilnehmer ihr Wohlbefinden und die Kniefunktion per Fragebogen. Beide Gruppen profitierten von der Transplantation. Doch bei denen mit länger gereiftem Knorpel verbesserte sich der Zustand im zweiten Jahr weiter und übertraf die Ergebnisse der Vergleichsgruppe. Zusätzliche MRT-Untersuchungen zeigten, dass der länger gereifte Knorpel die Zusammensetzung des Gewebes sowohl an der Implantatstelle als auch im benachbarten Knorpel verbesserte. Besonders profitieren Patienten mit grösseren Verletzungen, so Prof. Barbero – auch in Fällen, in denen vorherige Behandlungen unzureichend geblieben waren. Auf dieser Basis soll die Methode jetzt auch bei Arthrose untersucht werden. Mü
Medienmitteilung der Universität Basel vom 5.3.2025
Zur Originalpublikation: Mumme M et al.: Clinical relevance of engineered cartilage maturation in a randomized multicenter trial for articular cartilage repair. Sci Transl Med. 2025;17(788):eads0848. doi:10.1126/scitranslmed.ads0848
Fotos: Universität Basel, Christian Flierl