Transkript
Jahresbericht 2011/2012
Ordentliche Generalversammlung der FMP vom 31. Mai 2012, Restaurant «Au Premier», Hauptbahnhof, Zürich
HANS-ULRICH BÜRKE
Managed Care war in den letzten 12 Monaten das dominierende Thema in unserer Vorstandsarbeit. Wir konnten erfolgreich zum Widerstand gegen
den Ausverkauf unseres Berufes mobilisieren. Wir sammelten zusammen mit dem kooperierenden Komitee «Freie Arztwahl für alle» und zwei weiteren Komitees die erstaunlich grosse Anzahl von 132837 beglaubigten Unterschriften für das Referendum gegen die zwangsweise Einführung von Managed Care. Am 19. Januar 2012 wurden diese im Bundeshaus eingereicht. An der damaligen Pressekonferenz konnte ich als Präsident der FMP unsere Stellungnahme vortragen. Die FMP konnte sich damit nach aussen gegenüber einem breiten Publikum präsentieren, immerhin wurde die Pressekonferenz in der Tagesschau gebracht. Für die Ärzteschaft konnten wir der Ärztegesellschaft des Kantons Zürich (AGZ) das Argumentarium gegen die Managed-Care-Vorlage pfannenfertig liefern. Die AGZ machte unser Argumentarium zu ihrem eigenen und sandte es sämtlichen Mitgliedern unverändert zu. Unser Editorial in ARS MEDICI 3/2012 mit dem Titel «AGZ – Ohne Wenn und Aber gegen Managed-CareVorlage!» ist offensichtlich gehört worden. Wie wir in der Folge mit Genugtuung feststellen konnten, hat sich auch die Basis im Kanton Zürich wie auch die Delegiertenversammlung der AGZ
* Der besseren Lesbarkeit wegen verzichten wir auf die weibliche Form, gemeint sind immer beide Geschlechter.
klar und deutlich gegen die MC-Vorlage ausgesprochen. In unserem Publikationsorgan ARS MEDICI und in unseren Newsletters konnten wir unseren Standpunkt wiederholt mit deutlichen Worten äussern und fanden eine entsprechende Beachtung. Wir haben uns auch direkt an die verantwortlichen Politiker gerichtet und ihnen ebenfalls unsere Newsletters zukommen lassen. Am 15. März 2012 wurde ich vom Fernsehen Tele Top zu einem «Streitgespräch» eingeladen in die vielbeachtete medizinische Informationssendung TOP MED. Unter der Leitung von Moderator Geri Staudenmann konnte ich die Contra-Seite vertreten, die ProSeite vertrat das Vorstandsmitglied der Hausärzte Schweiz Johannes Brühwiler. Der Titel der Sendung lautete «Managed Care – Top oder Flop?», sie wurde wiederholt ausgestrahlt und fand eine beachtliche Aufmerksamkeit im Publikum. An die Mitgliederversammlung der Ärztegesellschaft des Zürcher Oberlandes vom 10. April 2012, zum Thema MC-Vorlage, wurde ich ebenfalls eingeladen und konnte dort die ContraPosition vertreten gegen den Kollegen Felix Huber, der als Medix-Gründer als «Hardliner» bezüglich Managed Care bekannt ist. Als weiteres Highlight unserer standespolitischen Aktivitäten hatten wir erneut zu einer öffentlichen Podiumsdiskussion am 31. Mai 2012 im Anschluss an unsere GV im Restaurant «Au Premier», Hauptbahnhof, Zürich, eingeladen mit dem Titel «Managed Care – Zukunftslösung oder zusätzliche Bürokratie?». Es diskutierten unter der Leitung von Alex Reichmuth, Redaktor der «Weltwoche»: Toni Bortoluzzi, Nationalrat, Johannes Brühwiler, Dr. med., Vorstand Hausärzte Schweiz, als
Pro-Vertreter, sowie von der ContraSeite Linda Camenisch, Kantonsrätin FDP, Wallisellen und der Berichterstatter als FMP-Präsident. Nachdem wenige Wochen vor dem Abstimmungstermin des 17. Juni 2012 die grossen Volksparteien, das heisst sowohl die SP als auch die SVP, an ihren Versammlungen die Nein-Parole beschlossen haben und auch Teile der FDP wie auch der CVP sich der NeinParole angeschlossen haben, sind wir der festen Überzeugung, dass unser Kampf gegen die unsägliche MC-Vorlage gewonnen werden kann. Wir haben bisher viel Herzblut investiert und sind froh darüber, dass die Chancen im Laufe der Monate immer grösser wurden. Der grosse Aufwand hat sich gelohnt. Es sei daran erinnert, dass sich die FMP schon seit Langem kritisch zum Geschehen rund um Managed Care geäussert hat. Bereits im Februar 2010 erschien das Editorial in ARS MEDICI mit dem Titel «Managed Care – der Tod des freiberuflichen Hausarztes». Nachdem in der Managed-CareVorlage auch noch die Budgetverantwortung als zwingender Bestandteil eingeschlossen worden war, musste nun entgegen der ursprünglichen Haltung der FMH-Standespolitiker eine klare kritische Haltung ergriffen werden. Da die offiziellen Repräsentanten der FMH nach der Urabstimmung ihr Lager in die Nein-Seite wechselten, war vonseiten der Hausärzte Schweiz nur die Pro-Seite bezüglich Managed Care zu vernehmen. Der Vorstand Hausärzte Schweiz hatte jedoch nicht den Mut, eine Urabstimmung unter deren Mitgliedern durchzuführen, obwohl deren Vertreter sich öffentlich immer so äusserten, als ob sie alle «Hausärzte» repräsentieren würden. Anhand der zahlreichen Leserbriefe ist zu erkennen, dass eine grosse Zahl von
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ARS MEDICI 12 ■ 2012
Jahresbericht 2011/2012
Präsident Dr. med. Hans-Ulrich Bürke Mürtschenstrasse 26 8048 Zürich Tel. 044-431 77 87
Vizepräsident Dr. méd. Guy Evequoz Rue du Mont 16 1958 St-Léonard Tél. 027-203 41 41
Quästor Dr. med. Thomas Zünd Greifenseestrasse 34 8603 Schwerzenbach Tel. 044-825 54 90
Vorstandsmitglied Dr. med. Rudolf Hohendahl Zürcherstrasse 65 8406 Winterthur Tel. 052-203 04 21
FMP im Internet: www.fmp-net.ch
Ärztinnen und Ärzten unzufrieden sind mit ihren Standesorganisationen. Ich erinnere in diesem Zusammenhang einmal mehr daran, dass die FMP den Hausärzten Schweiz nicht beitreten
konnte, weil der Verband Hausärzte Schweiz uns explizit die eigene Meinung verbieten wollte. Die FMP lässt sich Maulkörbe nicht umlegen, diese sind für bissige Hunde und nicht für mündige Bürgerinnen und Bürger. Als Präsident der FMP nahm ich als Delegierter an den ordentlichen Ärztekammersitzungen teil. Dass es in den «eigenen Reihen» ständig gärt, wurde wiederholt in der Presse kolportiert, wird doch auch am FMH-Präsidentenstuhl erneut gesägt, Nachfolger sind bereits in der Warteschlaufe, die Unzufriedenheit bei den Kolleginnen und Kollegen ist gegeben. Das Ergebnis der oben genannten Urabstimmung hat ja auch deutlich gezeigt, dass die FMHSpitze nicht wirklich die Haltung der Basis repräsentiert, das Vertrauen in die Standesorganisationen ist weiterhin am Schwinden. Neben Ausserordentlichem sind wir auch unseren ordentlichen Pflichten nachgekommen. Die FMP-Sektion Zürich nimmt mit zwei Vertretern weiterhin regelmässig Einsitz in der Delegiertenversammlung der Ärztegesellschaft des Kantons Zürich. Die Section romande der FMP arbeitet am Ausbau ihrer Aktivitäten. Die FMP ist eine der aktionsunterstützenden Organisationen der nationalen Grippeimpfaktion.
Als Mitglied im Schweizerischen Gewerbeverband (sgv) konnte ich am 23. Mai 2012 an ihrem Gewerbekongress teilnehmen. Wir konnten auch unsere Stellungnahme zur Managed-CareVorlage in der «Schweizerischen Gewerbezeitung» platzieren. Wir sind zuversichtlich, dass mit diesem starken Partner unsere freiberuflichen und unternehmerischen Freiheiten gestützt werden. Dies als ein Einblick in unsere Tätigkeit im letzten Jahr. Der Vorstand der FMP arbeitet daran, seine Effektivität möglichst wirkungsvoll zu gestalten – auch mit dem Ziel, das Gesundheitswesen vom Staat wegzuführen und nicht umgekehrt. Der Schutz unseres Arztberufs ist uns wichtig. Dazu gehört auch das Berufsbild des Arztes. Wir sind Ärzte und Ärztinnen, um zu heilen – und nicht Gehilfen des Staates und der Krankenkassen. Für eine freiheitliche und unabhängige Berufsausübung werden wir uns auch in Zukunft einsetzen. Wir wollen weiterhin für unseren Beruf kämpfen und sind davon überzeugt, dass es sich lohnt. Unsere FMP wird auch in den nächsten Jahren einen wesentlichen Beitrag dazu leisten. ❖
Dr. med. H.-U. Bürke Präsident FMP
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