Transkript
MEDIEN, MODEN, MEDIZIN
Rosenbergstrasse 115
Ein Kollege, den guten Rat eines Freundes zitierend: Heirate lieber eine Reiche! Die Armen haben auch Fehler.
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Frauen wollen Kinder. Grundsätzlich. Aber nicht gerade jetzt. Das denn doch nicht. Denn im Moment fehlt der passende Partner. Oder der Beruf geht vor. Oder es fehlt einfach grade an Zeit oder Lust. Später ist viel besser. Nur, später fehlen die Eizellen. Soweit das Problem moderner Frauen. Und siehe da, die Medizin bietet auch für dieses Problem (das für einmal nicht die böse Pharmaindustrie erfunden hat) eine Lösung an: Kryokonservierung gesunder Eizellen jetzt – Nutzung zur Zeugung später. Neudeutsch: «Social Freezing». Gab die Pille den Frauen einst die Möglichkeit, den Zeitpunkt für ein Baby selbst zu bestimmen, eröffnet Social Freezing neu die Möglichkeit, die Zeugung auf lange nach Ende der Fruchtbarkeit hinaus zu verschieben. Irgendwie super. Für die Frauen. Ob auch für die Kinder? Na ja, egal.
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Allerdings, wer in der Schweiz Eizellen einfrieren lässt, um sie später, wenn’s in die Lebensplanung passt, befruchten zu lassen und (in der Regel selber, aber Regeln halten nicht ewig an, da könnte sich also noch ein ganz neues Feld auftun) auszutragen, muss sich rasch entscheiden. Denn nach 5 Jahren werden die kostbaren Eizellen vernichtet. In Spanien ist man grosszügiger (oder pfleglicher) im Umgang mit eingefrorenem Leben. Dort darf man auch zehn oder mehr Jahre später mit den tiefgefrorenen Eizellen ein Kind «machen» (lassen). Und so schmuggeln nicht wenige Schweizerinnen ihre Eizellen im eigenen Bauch nach Spanien, lassen sie dort entnehmen, einfrieren und … ruhen. Für einmal ein Schmuggel, den niemand entdecken und (noch) niemand verbieten kann.
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Freund K. hatte (es ist einige Zeit her) ein probates Mittel gegen Warnanzeigen im Auto: Er überklebte sie mit einem Stück Isolierband. Das ging so lange gut, bis er dummerweise die rot leuchtende Ölstandsanzeige abdeckte. Die Reparatur des Motors, dessen Kolben harkten, kam ihn teuer zu stehen. Ein ähnliches Vorgehen wählen jene Politiker, die die Zahl der Volksinitiativen und Referenden beschränken wollen. Initiativen aus dem Volk sind Warnsignale. Hinweise an Regierungen und Parlamente, dass sie etwas versäumt haben. Man kann Volksrechte abklemmen sowie man Warnlampen im Cockpit überkleben kann. Man muss einfach wissen: Es wird teurer.
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«Der Staat» – nein, das sind nicht «wir alle», damit sind jene gemeint, die in Verwaltung und Regierung die Gesetze vorbereiten und Verordnungen ausarbeiten – lebt von Unternehmen, die selber und deren Arbeitnehmer Steuern bezahlen. Unternehmen werden deshalb durchaus geschätzt. Nicht aber Unternehmer; die sind dem Staat lästig. Neuester Gag: Der Staat will nicht mehr, dass Pensionskassengelder für die Gründung eines Unternehmens genutzt werden. Was zirka 3000 JungUnternehmer pro Jahr daran hindert, ein Geschäft zu eröffnen. Also Betriebe zu gründen, die Arbeitsplätze schaffen. Die wachsen und exportieren und für die Gesellschaft Wert erarbeiten. «Der Staat» sieht nur jene Unternehmer, die nicht durchhalten, deswegen im Alter vielleicht kein Geld mehr in der Pensionskasse haben und allenfalls auf Ergänzungsleistungen angewiesen sind. Diese Ergänzungsleistungen will sich der Staat sparen. Jener Staat, der während Jahrzehnten vom Erfolg der andern 90 Prozent Unternehmer profitierte, die ihr PK-Kapital erfolgreich eingesetzt und Hunderte Millionen Steuern generiert haben. Schade, dass
politische Dummheit an sich kein Skandal ist.
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Rationell ist, vier Redensarten in einem Satz zu konzentrieren. Etwa so: Ein blindes Huhn auf Messers Schneide, frisst nicht Körnchen sondern Kreide.
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Falls Sie in Italien Ferien machen – nicht vergessen: Barzahlungen von mehr als 1000 Euro sind aufgrund einer «Direktive zur Nachvollziehbarkeit von Finanzierungen» seit 2012 verboten. In der Schweiz wollte man Barzahlungen von über 100 000 Franken verbieten – zum Glück wurde der Antrag abgelehnt. In Italien zwingt man die Leute bereits bei 1000 Euro, die Kreditkarte zu benutzen (Spanien: 2500 Euro, Frankreich: bald ebenfalls 1000 Euro). Grund: KreditkartenTransaktionen lassen sich lückenlos aufzeichnen und speichern. Die NSA freut’s, die zahlreichen andern, namentlich nicht bekannten Überwachungssysteme anderer Staaten ebenfalls. Schweden plant gar, Bargeld völlig abzuschaffen – nicht um das Zahlen zu erleichtern, sondern um es total (!) zu überwachen. Schöne neu geplante Welt.
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Gelesen: «Der Folgsmund sagt …» Peinlich falsch und doch nicht schlecht getroffen. Der Volksmund folgt gar nicht so selten den Meinungen von linken und rechten Volksverführern. Und wird so zum – Folgsmund.
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Und das meint Walti: Solange mir die Antwort gefällt, was kümmert dich die Frage?
Richard Altorfer
ARS MEDICI 14/15 I 2014
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