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Prisma
Pfizer-Forschungspreis
Auszeichnung 2017 für Schweizer Spitzenforschung auch in der Onkologie
25 junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, darunter Onkologen, wurden in diesem Jahr mit dem Pfizer-Forschungspreis für ihre exzellenten wissenschaftlichen Arbeiten in Zürich geehrt. Gesamthaft ist der Forschungspreis mit einem Preisgeld von 180 000 Schweizer Franken dotiert.
Der Preis ist einer der renommiertesten Schweizer Forschungspreise und wird seit 1992 jährlich von der «Stiftung Pfizer Forschungspreis» auf Antrag von unabhängigen wissenschaftlichen Kommissionen in den Bereichen Grundlagenforschung und klinische Forschung verliehen. Mit der diesjährigen 26. Preisverleihung ehrt die Stiftung weitere 25 von nun insgesamt 308 Wissenschaftlern. Im Bereich Onkologie wurden 2 Arbeiten aus Bern und Bellinzona ausgezeichnet.
Resistente Leukämiestammzellen durch Kombinationstherapie endgültig eliminieren? PD Dr. med. Carsten Riether und Dr. med. Christian Martijn Schürch vom Inselspital und von der Universität Bern erhielten den Preis für ihre Arbeit zu Resistenzmechanismen unter der Therapie mit Tyrosinkinase-Inhibitoren (TKI) bei der chronischen myeloischen Leukämie (CML) (1):
Das sogenannte CD70/CD27-Ligand-Rezeptorpaar spielt eine wichtige Rolle für das Überleben der Leukämiestammzellen. Da TKI neben ihrer therapeutischen Wirkung aber auch zu einem vermehrten Auftreten von CD70 auf diesen Stammzellen führen, kann es zu einer Therapieresistenz auf die TKI-Behandlung kommen. Die Wissenschaftler versuchten diesen Mechanismus durch eine Kombinationstherapie von TKI und Anti-CD70-Antikörpern zu überwinden. Sie konnten im Mausmodell die Leukämiestammzellen vollständig eliminieren und die CML heilen.
Klinisches Ansprechen des NUT-Midline-Karzinoms (NMC) auf OTX015/MK-8628 Dr. med. Anastasios Stathis vom Oncology Institute of Southern Switzerland in Bellinzona erhielt den Preis für seine Arbeit zur Behandlung bei sogenannten NUT-Midline-Karzinomen:
Carsten Riether
Christian Martijn Schürch
Anastasios Stathis
Hierbei handelt es sich um eine seltene
Tumorerkrankung, welche meist junge
Erwachsene betrifft. Am häufigsten sind
die Karzinome in den Mittellinienstruktu-
ren des Kopfes und des Halses sowie
im Brustbereich lokalisiert. Die Prognose
dieser Tumoren ist in der Regel sehr
schlecht.
In der Forschungsarbeit wurde die Wirk-
samkeit von OTX015/MK-8628, einem
BET-Hemmer in Entwicklung, bei 4 be-
reits vorbehandelten Patienten mit
fortgeschrittenem NUT-Midline-Karzinom
untersucht.
Nach Verabreichung der Substanz zeig-
ten 2 Patienten ein schnelles Ansprechen
auf die Therapie und ein dritter Patient
eine Stabilisierung der Erkrankung mit
nur geringer Stoffwechselreaktion. Diese
Untersuchung liefert den ersten klini-
schen Nachweis, dass dieser BET-Hem-
mer eine eindrucksvolle und schnelle
Wirksamkeit bei diesen Karzinomen ha-
ben kann.
L
hir
Quelle: Medienmitteilung Pfizer AG, 26. Januar 2017.
Referenzen: 1. Carsten Riether*, Christian M. Schürch*, Christoph
Flury, Magdalena Hinterbrandner, Linda Drück, Anne-Laure Huguenin, Gabriela M. Baerlocher, Ramin Radpour and Adrian F. Ochsenbein: Tyrosine kinase inhibitor-induced CD70 expression mediates drug resistance in leukemia stem cells by activating Wnt signaling. Science Translational Medicine. 2015; 7: 298. *These authors contributed equally to this work. 2. Anastasios Stathis, Emanuele Zucca, Mohamed Bekradda, Carlos Gomez-Roca, Jean-Pierre Delord, Thibault de La Motte Rouge, Emmanuelle UroCoste, Filippo de Braud, Giuseppe Pelosi, Christopher A. French: Clinical Response of Carcinomas Harboring the BRD4-NUT Oncoprotein to the Targeted Bromodomain Inhibitor OTX015/MK-8628. Cancer Discov. 2016; 6(5): 492–500.
48 SCHWEIZER ZEITSCHRIFT FÜR ONKOLOGIE 1/2017